Arzenu

Arzenu Olami hat einen neuen Vorstand

Unsere Arbeit ist ein Teil eines großen Ganzen. Wie wir in Deutschland versuchen viele andere, den Reformzionismus zu stärken. Koordiniert werden diese weltweiten Bemühungen aus einem Kreis besonders Engagierter, die den Vorstand von Arzenu Olami, unserer Mutterorganisation, bilden. Zum ersten Mal in der Geschichte stellen wir, stellt arzenu Deutschland, ein Vorstandsmitglied. Dr. Chayim Schell- Apacik ist seit kurzem zweiter Vorsitzender von Arzenu Olami. Wir gratulieren ihm herzlich zu der Wahl.
Wie in vielen jüdischen Organisationen ist auch bei Arzenu Olami ein starker nordamerikanischer Schwerpunkt zu beobachten, da dort auch ein großer Teil der Mitglieder lebt und viele Veranstaltungen stattfinden. Manchmal werden dadurch die Bedürfnisse von europäische Mitgliedern etwas vernachlässigt. Mit Chayim im Vorstand bekommen unsere Bedürfnisse und unsere Arbeit etwas mehr Gehör. Genau das zu erreichen, hat sich Chayim auch zum Ziel gemacht. Chayim ist nicht nur ein Gewinn für arzenu Deutschland sondern auch ein Gewinn für unsere europäischen Partner-Organisationen. 
Wir wünschen Chayim viel Erfolg bei seiner neuen Aufgabe. Wir sind uns sicher, dass er Arzenu Olami stärken wird.

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Gilad ist frei - ein Kommentar

Ich gebe es zu, ich bin erleichtert, unendlich erleichtert. Gilad lebt! Schmächtig, eingefallen, gebückt, aber mit einem scheuen Lächeln. Als eingefleischter Skeptiker hatte ich es nicht glauben wollen. Dass der Tag kommen würde, an dem er lebend wieder zu Hause ist. Aber es ist geschehen.

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Rotem Bill Verschoben

Rotem Bill – das Konversionsgesetz vom „Israel Beteinu“ Abgeordneten David Rotem, welches alle Konversionen in die Hände von wenigen Ultraorthodoxen geben würde, wurde für ein weiteres halbes Jahr zurückgestellt. Darauf einigten sich die Israelischen Regierungsparteien mit den nicht- Orthodoxen Strömungen in der Nacht zum 10.01.2011. Im Gegenzug verzichten die Organisationen auf ein Verfahren vor dem Obersten Gericht gegen das Gesetz. Über das Gesetz soll nun bis zum 10.07.2011 neu verhandelt werden.
Sollte dieses Gesetz verabschiedet werden, sind es alleine die Ultraorthodoxen, welche dann entscheiden können, wer Jude ist und wer nicht, wenigstens innerhalb Israels. Dadurch bekommen sie auch die alleinige Kontrolle darüber, wer heiraten darf (es gibt in Israel keine Zivilehe) und ob ein neugeborenes Kind jüdisch ist.
Durch dieses Gesetz wird eine Kluft zwischen Juden in Israel und in der Diaspora geschlagen, da hier die Konversion durch alle Strömungen durchgeführt werden können. Ist diese Kluft einmal geschlagen, wird es schwer sein, sie wieder zu überbrücken.
Wir hoffen auf einen guten und vor allem erfolgreichen Dialog zwischen Israels Regierung und den nicht-Orthodoxen Organisationen, nicht nur im Bezug auf dieses Gesetzt. Dass sich die Regierung mit allen Strömungen des Judentums an einen Tisch setzt und verhandelt stimmt uns hoffnungsvoll für die Zukunft.
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Eindrücke von dem 36. WZO Congress in Jerusalem

Schimon Peres beim WZO Congress
Um acht Uhr stellte ich mich in die Schlange des ElAl Schalters, als einziger in die Reihe für „foreign Passports“ und wurde sofort angesprochen von einer hübschen jungen ElAl Angestellten. Dieses eigentlich zu begrüßende Ereignis wurde getrübt von der Tatsache, dass ich nun der Teilnehmer der Quizshow wurde, die wir alle kennen und lieben. Nachdem ich Details meines Lebens ausgeplaudert hatte, die niemanden etwas angehen und die ich der jungen Dame von ElAl nicht mal bei Kerzenschein erzählt hätte, wurde ich eingelassen, in die Boing 737-700 von ElAl. Und schon jetzt war ich in Israel. Es wurde geschubst, gedrängelt und verhandelt; jeder Sitzt sei unzumutbar, was auf jeden Fall mit einem freien Sitz in der ersten Klasse kompensiert werden müsse – ist ja logisch. Und alles auf mindestens vier Sprachen, simultan und sehr laut. Ich liebte jeden Augenblick.

Nachdem ich die Passkontrolle hinter mich gelassen hatte, ging es mit dem Shirut, dem Sammeltaxi in Richtung Beit Shmuel in Jerusalem, der Zentrale der World Union for Progessive Judaism und von Arzenu, sowie anderer reformzionistischen Organisationen.  Nach einem kleinen Umweg durch die Westbank mit den zahllosen Sicherheitskontrollen erreichte ich Jerusalem knapp vor Beginn des Shabbat. Es blieb nur kurz Zeit um mich frischt zu machen und zu Kol HaNeschama, einer der Reformgemeinden in Jerusalem zu laufen. Ich liebe den Gottesdienst in Kol HaNeschama, mit seiner berühmten „Halleluya-Meditation“ zum Schluss.
Der Grund meiner Reise nach Israel war aber der 36. World Zionist  Congress in Jerusalem, der alle vier Jahre abgehalten wird, und an welchen ich als einer von drei Arzenu Deutschland Mitgliedern teilnehmen durfte.
Der WZO Congress, 1897 von Theodor Herzl gegründet, ist bis heute ein wichtiger Bestandteil Israels und dem jüdischen Leben in der Diaspora. Hier werden Gelder verteilt und ideologische Grundfragen besprochen, die WZO hat Einfluss auf KKL, JAFI und die israelische Politik. Von elf Parteien und sieben Organisationen sind Delegierte an diesem Prozess beteiligt und wollen alle etwas von dem Kuchen abhaben, die WZO nach der jeweiligen Ideologie beeinflussen. Kurz vor der Aufnahme steht Shas, die schon dieses Jahr Resolutionen eingebracht haben und die WZO in Richtung ihrer Ideologie zu ziehen versuchen. Shas in der WZO ist etwas, dass ich den Monty Pythons zugetraut hätte, aber nicht der Realität.
Bevor wir, über 90 aktive Arzenu Mitglieder aus der ganzen Welt, am WZO Congress teilnahmen, wurde ein „Pre-Congress“ abgehalten, von Arzenu, für Arzenu. Hier traf ich auch auf Chaim und Adi, zu dritt vertraten wir Arzenu Deutschland, mit Unterstützung von Lea, für die World Union.
Im ersten Teil unseres Pre-Congress ging es um uns selber, um Arzenu. Was wollen wir erreichen? Und welchen Weg wollen wir einschlagen, damit wir dieses Ziel erreichen? Diese Frage ist wichtig, nicht nur für Arzenu auf dem WZO Congress sonder insbesondere auch für uns in Deutschland. Für jeden von uns. Wo will ich hin? Und welchen Weg will ich gehen, um dieses Ziel zu erreichen? Was ist unser Ziel als Arzenu? Was kann ich dazu beitragen, dass wir dieses Ziel gemeinsam ansteuern können?
Im zweiten Teil des Pre-Congress sprachen wir über das, was uns auf dem WZO Congress erwarten würde, über die 110 Resolutionen, von allen Seiten eingebracht und so unterschiedlich, wie man sie sich nur vorstellen kann. Einige waren kurze Forderungen für mehr Gelder für die Jugend, andere sollten die WZO auffordern, mehr für die Verbindung zwischen der Diaspora und Israel zu tun, noch andere forderten mehr Pluralismus und mehr Einfluss für Frauen in der Organisation oder eben genau das Gegenteil, je nachdem wer für  die Resolutionen verantwortlich war.
Wir von Arzenu berieten über die Forderungen in zunächst kleinen Gruppen, ersetzen einige Worte – Land Israel zu Staat Israel- stimmten Resolutionen zu oder lehnten sie ab, meist kamen die Abgelehnten von Shas oder Likud, welche zum Beispiel forderten, dass mehr Geld und Mühen in  die Westbank flossen.
Zwar war Arzenu der größte Block innerhalb des Kongress, noch machtvoller wurden wir aber durch eine Koalition, welche unter anderem Dalya und Joan, die Vorsitzenden von Arzenu ausgehandelt hatten. Gebildet wurde die Koalition von Arzenu, Meretz und Avodah, die in vielen Punkten unsere Meinung teilten, und mit welchen wir gemeinsam abstimmen wollten.
Der eigentliche Kongress fand im Jerusalem international Convention Center, ICC statt. Am dritten Tag wurde über die Resolutionen abgestimmt, in der großen Halle des ICC, mit seinen 3000 Sitzen.  Die langen Verhandlungen und Abstimmungen waren eingerahmt in verschiedene Programme, Workshops und Abendveranstaltungen mit Musikern und Artisten aus Israel, mit wichtigen Ansprachen von noch wichtigeren Leuten. Ich freue mich berichten zu können, dass ich keine zwei Meter von Schimon Peres war, ihn anfassen gekonnt hätte. Ob das so klug gewesen wäre, sei mal dahingestellt.
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In unseren Fraktionen aufgeteilt saßen wir da und stimmten zusammen in einem Block ab, wobei unsere Fraktion den größten Teil ausmachte und wir mit Mercaz, den Konservativen oft einer Meinung waren. Auf der anderen Seite des Saals waren die Orthodoxen zusammen mit Shas und Likud.
Vor eingebrachten Resolution wurden manchmal kurze Reden von Befürwortern gehalten. Dann wurden Teile noch mal laut auf hebräisch vorgelesen, simultan übersetzt auf vier Sprachen. Jetzt wurde die all entschiedene Frage gestellt. Wer ist dafür? Wie von einer Hand wurden die Wählerkarten von unserer Fraktion hochgehoben, wie zuvor abgemacht. Bei der Gegenfrage, wer ist dagegen, wurden die Wahlscheiben derjenigen erhoben, die nicht unserer Meinung waren.
Bei einfachen Themen waren wir oft einer Meinung und es war schnell entschieden. Aber da waren noch die heißen Themen, in den es zu Wortgefechten und knappen Abstimmungen kam, bei welchem ausgezählt werden musste und mir der Arm lahm wurde von dem lange hochhalten der Stimmkarte. In der Regel betrafen diese Themen die Siedlungspolitik und die Unterstützung von nicht orthodoxen Strömungen in Israel und in der WZO. Redner stürmten die Bühne und versuchten für ihre Sache zu werben, beklatscht und von Pfiffen des Protest begleitet. Am Ende der Diskussionen war aber ein Bild deutlich zu sehen; unsere Koalition stimme gemeinsam ab und erreichte die notwendige Mehrheit um entscheidende Resolutionen durchzubringen, schlimme zu verhindern.
Alles in allem können wir von Arzenu stolz auf uns sein, wir haben einige Resolutionen durchgebracht, die das Gesicht der WZO verändern werden. Wir konnten die Gleichberechtigung von allen Strömungen näher bringen, unter anderem durch gleiche Finanzierungen aus Gelder der WZO. Auch konnten wir durchsetzen, dass die WZO in einem Statement an den Staat Israel die Gleichberechtigung der verschiedenen Strömungen im Judentum fordert, ausgedrückt durch die Erlaubnis Eheschließungen und Konversionen durchführen zu dürfen. Wir konnten erreichen, das 30% der WZO Komitees von Frauen besetzt werden muss. Die Fokussierung von WZO Geldern auf die Siedlungsbewegung konnten wir abwenden, nur um einige Beispiele zu nennen.
Bei dem Kongress wurde klar, dass es mehr bedeutet ein Reformzionist zu sein, als sein Reformjudentum zu leben und sich für  Israel zu sein. Im Stillen verändert man nichts. Nur durch die Konfrontation mit denen, die eine andere Meinung haben, kann man die Wirklichkeit  Israels und die der Diaspora verändern. Ein Weg ist die WZO, in der Arzenu politisch stark sein muss, getragen von den verschiedenen Gemeinden auf der Welt.
Auch wir können unseren Teil dazu beitragen, wenn wir stark sind als Arzenu Deutschland und wenn wir unsere Stimme gemeinsam erheben. Gegen diejenigen, die ein pluralistisches, gleichberechtigendes Judentum in Israel und in der Diaspora nicht wahrhaben wollen. Und gegen diejenigen, die einfach nur Israel verhindern wollen.
Zum Schluss will ich Theodor Herzl zitieren, dessen 150 Geburtstag wir in diesem Jahr feiern.
„Wenn Du es willst, ist es keine Märchen.“ - Theodor Herzl, Altneuland, 1902
Drishat Shalom,
Jakob Walbe
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