Am 30. März wird es in Berlin ein Boykottaufruf gegen die israelische Firma SodaStream geben. Zum Boykott ruft die deutsche BDS (Boykott Divestment Sanction) Bewegung auf. Diese war in der Vergangenheit im englischsprachigen Raum schon recht erfolgreich und versucht nun, auch in Deutschland Fuß zu fassen.Teil des „Erfolgs“ der global agierenden BDS Bewegung war die Schließung einer Fabrik von SodaStream im Westjordanland, in welcher bis Ende 2015 etwa hundert Menschen Arbeit fanden. Nach einer Stigmatisierung der Wassersprudler als „Siedlerprodukt“ verlor das Unternehmen insbesondere in England massiv Kunden und um dem schlechten Ruf auszuweichen, beschloss man, die Produktion in die Negevwüste zu verlegen. Auch die deutsche BDS Bewegung feiert diese Entwicklung und sieht sich von ihr bestätigt.

 „SodaStream hat nur aufgrund des massiven Drucks durch die internationale BDS-Kampagne kürzlich eine Produktionsstätte in die Industriezone Lehavim in der Naqab-(Negev-)Wüste verlegt.“ (1)

Für die Angestellten, zusammengesetzt aus Israelis und Palästinensern, war dieser Schritt sicherlich ein schwerer Schlag, denn die Firma zahlte deutlich höhere Löhne als in der Westbank üblich. Die Schließung ist auch deshalb ein Verlust, da die gemischte Belegschaft auch eine mögliche Koexistenz bedeutete. Warum aber war es der BDS Bewegung so wichtig, dass SodaStream nicht mehr gekauft wird? Es handelt sich hier nicht um eine Gruppe, die absolut kein Mineralwasser mag, sondern:

 „SodaStream ist ein ethisch nicht vertretbares Produkt, denn es profitiert vom Landraub, der Ausbeutung von Ressourcen und der Menschen – und der Völkerrechtsverletzungen der israelischen Besatzung.“ (1)

Nun hat SodaStream das Werk im Westjordernland geschlossen und so sollte diese Kritik gegenstandslos geworden sein. Liegt die weitere Kritik etwa darin, dass SodaStream schlecht mit seinen Mitarbeitern umgegangen ist? Zum Umgang mit palästinensischen Arbeitskräften lassen sich vereinzelte Berichte finden, jedoch sind diese zumeist in sehr dubiosen Quellen zu finden, wohingegen lobende Berichte von Palästinensern aus einem breiteren Feld kommen, welches oft auch sehr kritisch über Israel berichtet, unter anderem auch aus der Zeitung Haaretz (2). Auch wenn der Grundsatz der Unschuldsvermutung in den Augen der BDS Bewegung nicht zu existieren scheint, sollte auch dieser Punkt kein Grund zu einem Boykottaufruf sein.

Nein, ein weiterer Boykottaufruf ist so begründet:

 „SodaStream profitiert von der israelischen Regierungsstrategie, die Industrialisierung der Naqab- (Negev)-Wüste durch Fördergelder zu subventionieren und nimmt damit billigend die Entwurzelung der seit Generationen dort ansässigen einheimischen beduinischen Bevölkerung in Kauf.

SodaStream macht sich damit weiterhin zum Komplizen der israelischen Politik der Kolonialisierung, Enteignung und Vertreibung auf Kosten der einheimischen Bevölkerung und bleibt daher weiterhin Ziel der internationalen BDS Kampagne.“ (1)

Hier dreht der Autor die Tatsachen einfach auf den Kopf. SodaStream hat existierende Kapazitäten in der Nähe von Rahat, einer weitestgehend von Beduinen bewohnten Stadt ausgebaut, umgesiedelt wurde hierzu kein Mensch. Vielmehr ist der Industriepark ein Versuch, die Armut und die Arbeitslosigkeit der Beduinen zu mildern. Und so gibt SodaStream mit Schaffung eben dieser Arbeitsplätze einer der ärmsten Gemeinden in Israel wichtige Arbeitsplätze. Derzeit bemüht sich die Firma auch um eine bessere Versorgung der in Rahat lebenden Flüchtlinge. So sollte die BDS-Bewegung doch eigentlich für einen Kauf von SodaStream protestieren, für eine Firma die ausschließlich innerhalb der Grünen Linie produziert und für einen guten Umgang mit den Mitarbeitern bekannt ist. Warum ist dem nicht so? Das ist einfach, weil es eine israelische Firma ist.

Zum Schluss möchte ich kurz auf die Sprache von BDS eingehen. Israel wird in allen Meldungen von den BDSlern konsequent mit negativen Attributen versehen, das Wort Kolonialisierung sticht hier trotzdem noch raus, da es ein Schlüsselbegriff für BDS ist. Auf den Siedlungsbau bezogen hat der Begriff seine Richtigkeit, ihn auf ganz Israel auszuweiten wie hier geschehen, zeigt die Einstellung des Verfassers: Israel sei ein fremdes Konstrukt, das versuche Teile einer Region unter seine Herrschaft zu bringen. Eine Differenzierung und Anerkennung des israelischen Existensrechts ist nicht gewollt. Auch die bewusste Wortwahl bei dem Wort „Komplize“ impliziert, dass sich SodaStream mindestens teilweise bewusst zur „bösen Seite“ hin entscheidet.

SodaStream wird von zahlreichen Geschäften vertrieben, ein einzelnes wird von der BDS-Bewegung in dem Boykottaufruf hervorgehoben: Galeria Kaufhof. Kaufhof gehört zu den Geschäften, die 1938 schon einmal boykottiert wurden. Das kann aber auch ein Zufall sein…

(1) http://bds-kampagne.de/2016/03/21/tag-des-bodens-2016-protestaktion-gegen-sodastream/

(2) http://www.haaretz.com/israel-news/1.571948

Arbeitslos dank Boykott gegen Israel

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