Stellen Sie sich vor, sie gehen zur Kotel, zur Klagemauer. Die Gruppe teilt sich, die eine Hälfte wendet sich nach links, die andere Hälfte nach rechts, hinter die Absperrung – in den viel kleineren Teil. Und in diesem viel kleineren Teil gibt es strikte Vorschriften, nicht aus der Tora lesen – und Bitteschön recht leise bitte. Und jetzt stellen Sie sich vor, Sie würden gemeinsam zur Kotel gehen. Gemeinsam singen. Gemeinsam beten. Schließen Sie die Augen und stellen Sie sich das einfach einmal vor.

Im Januar sah es so aus, als wenn dies bald möglich sein würde. Die Regierung versprach, dass ein egalitärer Bereich an der Kotel geschaffen werden solle, ein Teil bei dem alle Strömungen des Judentums mitsprechen dürften. Kaum war das Versprechen ausgesprochen, schrieen einige der selbsternannten „Orthodoxen“ auf, drohten mit Ende der Koalition, wenn es der egalitäre Abschnitt eingerichtet werden sollte. Und das Projekt verschwand in der Versenkung.

In den letzten Tagen und Wochen ist wieder etwas Bewegung in die Sache gekommen, was uns dazu bewegt, etwas mehr Druck zu machen. Die Entwicklungen fasst Anat Hoffman so zusammen:

Im Jahr 2013 reichte IRAC (Israel Religious Action Center) eine Klage am höchsten Gericht in Israel ein, in welchem verlangt wurde, dass Frauen und Nicht-Orthodoxe Juden in der staatlichen „Jewish Heritage Foundation“, welche die Klagemauer kontrolliert, arbeiten dürfen. Im Januar 2016 schlug die Regierung ein Kompromiss vor: Die Regierung wird eine komplett staatlich finanzierte, durch den Staat anerkannte egalitären Gebetsplatz an der Klagemauer einrichten.

Nach fast einem Jahr der weiteren Ausflüchte, lud das oberste Gericht in der letzten Woche zu einer weiteren Anhörung. Die Direktorin unserer Rechtsabteilung, Orly Erez-Likhovski, hatte Sorge, dass uns das Gericht raten würde, unsere veraltete Klage zurückzuziehen und eine neue Klage einzureichen, was bedeutet hätte, dass wir den jahrelangen Prozess noch einmal von Vorne beginnen müssten.

Oha, hatte sie sich geirrt. Ich habe noch nie gesehen, dass Richter so laut geschrien haben, wie an diesem Morgen. Das Gericht zog dem Staatsanwalt fast das Fell über die Ohren, da dieser den im Januar versprochenen Plan nicht umgesetzt hatte. Die oberste Richterin Miriam Naor rief den Staatsanwalt mehrfach dazu auf, diese Nachricht direkt zum Premierminister zu bringen: „Das Gericht ist wird die Wallnuss nicht für euch aus dem Feuer holen.“ (Was bedeuten soll: Sieh zu, dass du deinen Kram zusammenbekommst, das Gericht wird nicht die schwere Arbeit für dich übernehmen) Das Gericht lud uns ein, die unsere Klage  auf den heutigen Stand zu bringen, mit all dem was passiert ist und was nicht passiert ist und uns insbesondere auf die Blockade der Regierung seit Januar 2016 zu konzentrieren. Wir baten um etwas Zeit, bis kurz nach den hohen Feiertagen, doch die Richterin Elyakim Rubinstein erwiderte, es solle keine Zeit verschwendet werden. Wir werden die modifizierte Klage diese Woche einreichen.

Orly erzählte mir nach dem Treffen: „Ich war schockiert. Es ist klar, dass sie es kapiert haben und dass sie es nicht zulassen, dass die Regierung ihr Versprechen noch einmal bricht.“ Ich stimmte zu, und ich habe das Gefühl dass 5777 möglicherweise endlich das Jahr der Klagemauer wird.

 

Die Union for reform judaism hat ein Formular vorbereitet, mit welchem wir der Regierung und Benjamin Nethanjahu insbesondere mitteilen können, dass nicht nur die Reformbewegung in Israel, oder die dortigen Gerichte auf eine baldige Umsetzung pochen, sondern auch wir Juden in der Diaspora.

Bitte nehmen Sie sich die eine Minute, um unser Anliegen zu unterstützen und unterzeichnen Sie die Petition noch heute. Vielen Dank.

 

Kein Ende in Sicht

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