Parashat Beha’alotecha, Numeri 8:1 – 12:16, wird in der Woche gelesen, die am 25. Juni 2016 endet.

Beha’alotecha: Das alt-neue Licht der Menorah

Von Rabbi Neal Gold, übersetzt von Jakob Walbe

 וְזֶ֨ה מַעֲשֵׂ֤ה הַמְּנֹרָה֙ מִקְשָׁ֣ה זָהָ֔ב עַד־יְרֵכָ֥הּ עַד־פִּרְחָ֖הּ מִקְשָׁ֣ה הִ֑וא כַּמַּרְאֶ֗ה

אֲשֶׁ֨ר הֶרְאָ֤ה יְהוָה֙ אֶת־מֹשֶׁ֔ה כֵּ֥ן עָשָׂ֖ה אֶת־הַמְּנֹרָֽה׃

Der Leuchter aber war getriebenes Gold, beide, sein Schaft und seine Blumen; nach dem Gesicht, das der HERR dem Mose gezeigt hatte, also machte er den Leuchter.

(Numeri 8:4)

Die siebenarmige Menorah ist das älteste Symbol im Judentum; sie ist weit älter als der sechseckige „Magen David / Davidstern“ welcher erst im Mittelalter in einem jüdischen Kontext auftrat. Die Menorah hingegen ist wirklich antik, die Bibelwissenschaftlerin Carol Mayers zeigte, dass sie im antiken Nahen Osten im späten Bronzealter (1550-1200 v.d.Z.) auftauchte.

In dem Thoraabschnitt dieser Woche tritt die Menorah als dauerhaftes primäres Symbol des jüdischen Geistes auf, welches über die Zeit bestehen bleibt und, wie wir sehen werden, bis in die heutige Zeit des Zionismus bestehen bleibt.

Die Menorah ist eines der zentralen Artefakte im Mishkan, dem transportablen Tabernakel, welchen das Volk Israel in der biblischen Zeit auf seiner Wanderung durch die Wildnis mit sich führte. Der dieswöchige Abschnitt beginnt mit dem Gebot eine Menorah (der goldene Lampenhalter selber) und die neorot (die separaten Lampen, welche abnehmbar an jeden der Arme platziert wurden)  Die Menorah wurde von den Priestern gepflegt und hatte ein permanent brennendes Feuer (Leviticus 24:4)

Der Mishkan strotzt mit Symbolismus aus der Natur. Botanische Ausdrücke wie yarach (stamm) und perach (Blume oder Blütenblatt) werden zur Beschreibung der verschiedenen Teile dieser ersten Menorah genutzt. Diese Wörter suggerieren einigen Wissenschaftlern, dass die Menorah, deren Arme diagonal von dem Torso abstanden, einen Baum symbolisieren sollte, ein gewöhnliches Symbol bei den Nachbarn des antiken Israels.

Da das Motiv des „Baums des Lebens“ in dem meisten nahöstlichen Kulturen ein Symbol für eine fertilität- und lebensgebenden Gottheit war, kann dieser ikonographische israelitische Kult eventuell auch ein mächtiges religiöses und sichtbares Symbol sein, welches das Vorhandensein eines unsichtbaren G’tt Israels symbolisieren soll. Als ein entmythologisiertes Symbol für einen Baum diente es mit anderen Aspekten des Tabernakel als G’ttes Residenz und stellte G’ttes Verfügbarkeit für die Israeliten oder ihren priesterlichen Vertretern dar.

Das soll bedeuten, dass wenn die Menorah tatsächlich den „Baum des Lebens“ symbolisieren soll, was in dem antiken Kontext Sinn ergibt, wenn es erst einmal durch den Spiegel betrachtet wird, welchen die Thora bietet und sicherstellt, dass alle wirklichen Segen (wie Leben und Fruchtbarkeit) direkt von G’tt und nicht aus der Natur kommen.

Der Mishkan hat jedoch hatte ein Verfallsdatum. Es hatte nur eine Funktion während das Volk Israel auf dem Weg zu ihrem permanenten Platz waren. In den nächsten Generationen hatte Salomons Tempel zehn Menoroth (I. Könige 7:49 und II. Chroniken 4:7) fünf auf jeder Seite um das Gebet Israels zu erleuchten.

Der zweite Tempel war auch mit einer goldenen Menorah ausgestattet. Die bekannteste Beschreibung dieser Menorah kann man in der Vision des Propheten Zechariah finden, welche in Haftara dieser Woche gelesen wird und natürlich am Shabbat, welcher in die Zeit von Chanukka fällt. In der Zeit als die Juden im babylonischen Exil lebten, prophezeite Zechariah dass die Juden in ihr Land zurückkehren würden (um das Jahr 520 v.d.Z.) und ermahnte die heimkehrenden Flüchtlinge, ihr Land und den Tempel unter der Leitung von Zerubbabel, einem Nachkommen König Davids, wieder aufzubauen. Der Prophet hatte eine ekstatische Vision des restaurierten Tempels in Jerusalem, mein einer Menorah als sein zentrales Symbol.

וַיָּ֕שָׁב הַמַּלְאָ֖ךְ הַדֹּבֵ֣ר בִּ֑י וַיְעִירֵ֕נִי כְּאִ֖ישׁ אֲשֶׁר־יֵע֥וֹר מִשְּׁנָתֽוֹ׃

 וַיֹּ֣אמֶר אֵלַ֔י מָ֥ה אַתָּ֖ה רֹאֶ֑ה ׳וַיֹּאמֶר׳ ״וָאֹמַ֡ר״ רָאִ֣יתִי׀ וְהִנֵּ֣ה מְנוֹרַת֩ זָהָ֨ב כֻּלָּ֜הּ וְגֻלָּ֣הּ עַל־רֹאשָׁ֗הּ וְשִׁבְעָ֤ה נֵרֹתֶ֙יהָ֙ עָלֶ֔יהָ שִׁבְעָ֤ה וְשִׁבְעָה֙ מֽוּצָק֔וֹת לַנֵּר֖וֹת אֲשֶׁ֥ר עַל־רֹאשָֽׁהּ׃ וּשְׁנַ֥יִם זֵיתִ֖ים עָלֶ֑יהָ אֶחָד֙ מִימִ֣ין הַגֻּלָּ֔ה וְאֶחָ֖ד עַל־שְׂמֹאלָֽהּ׃

 וָאַ֙עַן֙ וָֽאֹמַ֔ר אֶל־הַמַּלְאָ֛ךְ הַדֹּבֵ֥ר בִּ֖י לֵאמֹ֑ר מָה־אֵ֖לֶּה אֲדֹנִֽי׃

 וַ֠יַּעַן הַמַּלְאָ֞ךְ הַדֹּבֵ֥ר בִּי֙ וַיֹּ֣אמֶר אֵלַ֔י הֲל֥וֹא יָדַ֖עְתָּ מָה־הֵ֣מָּה אֵ֑לֶּה וָאֹמַ֖ר לֹ֥א אֲדֹנִֽי

וַיַּ֜עַן וַיֹּ֤אמֶר אֵלַי֙ לֵאמֹ֔ר זֶ֚ה דְּבַר־יְהוָ֔ה אֶל־זְרֻבָּבֶ֖ל לֵאמֹ֑ר לֹ֤א בְחַ֙יִל֙ וְלֹ֣א בְכֹ֔חַ כִּ֣י אִם־בְּרוּחִ֔י אָמַ֖ר יְהוָ֥ה צְבָאֽוֹת׃

מִֽי־אַתָּ֧ה הַֽר־הַגָּד֛וֹל לִפְנֵ֥י זְרֻבָּבֶ֖ל לְמִישֹׁ֑ר וְהוֹצִיא֙ אֶת־הָאֶ֣בֶן הָרֹאשָׁ֔ה תְּשֻׁא֕וֹת חֵ֥ן חֵ֖ן לָֽהּ

 Und der Engel, der mit mir redete, kam wieder und weckte mich auf, wie einer vom Schlaf erweckt wird,

und sprach zu mir: Was siehst du? Ich aber sprach: Ich sehe; und siehe, da stand ein Leuchter, ganz golden, mit einer Schale obendarauf, daran sieben Lampen waren, und je sieben Röhren an einer Lampe;

und zwei Ölbäume dabei, einer zur Rechten der Schale, der andere zur Linken.

Und ich antwortete und sprach zu dem Engel, der mit mir redete: Mein Herr, was ist das?

Und der Engel, der mit mir redete, antwortete und sprach zu mir: Weißt du nicht, was das ist? Ich aber sprach: Nein, mein Herr.

Und er antwortete und sprach zu mir: Das ist das Wort des HERRN von Serubabel: Es soll nicht durch Heer oder Kraft, sondern durch meinen Geist geschehen, spricht der HERR Zebaoth.

Wer bist du, du großer Berg, der doch vor Serubabel eine Ebene sein muß? Und er soll aufführen den ersten Stein, daß man rufen wird: Glück zu! Glück zu!

(Zechariah 4:1-7)

Der zweite Tempel wurde im Jahr 70 unserer Zeitrechnung zerstört. Der römisch-jüdische Historiker Josephus war Zeuge von Jerusalems Niederlage. In dem Werk „Geschichte des jüdischen Krieges“ beschrieb er, wie Pinchas, einer der letzten jüdischen Priester der im Tempel diente, einige Schätze an die Römer übergab, darunter auch zwei Menoroth, welche als Beute von Vespasian (der General, der 69 zum Kaiser gekrönt wurde) und Titus (welcher letztendlich den jüdischen Aufstand niederschlug) nach Rom gebracht wurde.

Die Beschreibung von Josephus sind berühmt in dem Titusbogen illustriert sind, welcher 82 errichtet wurde und noch heute auf der Via Sara in Rom steht. Der Triumphbogen wurde gebaut um Tituses Siege zu feiern und festzuhalten und die südliche Seite zeigt die Plünderung des Tempels, der goldenen Menorah eingeschlossen. Es zeigt eine Geschichte von Deportation, Versklavung und Demütigung der Juden.

Für die Christenheit war die Beschreibung der eroberten Juden auf dem Titusbogen nicht nur eine antike Geschichte. Sie erzählte auch die Geschichte der „Substitutionstheologie“ oder „Ersetzungstheologie“ – G’ttes Wahl wurde den Juden weggenommen und dem Christentum gegeben worden. Am 17 Juli 1555 verordnete Papst Paul IV ein giftiges Edikt, welches die Juden Roms in ein Ghetto einpferchte und nachts einschloss. Die Juden mussten maßlose Gebühren zahlen und mit Ausnahme von einer Ausnahme wurden alle Synagogen geschlossen, sie wurden von den meisten Berufen ausgeschlossen und wurden gezwungen, identifizierende gelbe Hüte in der Öffentlichkeit zu tragen. Zusätzlich wurden sie gezwungen, sich ein mal im Jahr vor dem Titusbogen – dem Symbol ihrer Demütigung – zu versammeln und einen Eid der Unterwerfung vor dem Paps zu schwören. Das ewige Licht der Menorah war im besten Fall eine grausamen Ironie.

Natürlich ist das nicht das Ende der Geschichte – weder für das jüdische Volk noch für die Menorah. Mit der Wiederkehr nach Zion im beginnenden 20. Jahrhundert entstand ein Bedarf für kulturelle Artefakte und Symbole.

The Gebrüder Shamir (nee Sheftelowitz) Gabriel (1909-1992) und Maxim (1910-1990) waren in Lettland geborene Juden, welche vor den Nazis flohen und ihren Weg durch Europa machten um 1935 aliyah zu machen. In Tel Aviv etablierten sie ein Designstudio und gründeten die „Society of Hebrew Graphic Artists“ Die beiden Brüder kreierten ein weites Feld von Bildern, Siegeln und Briefmarken für den sich entwickelnden Staat. Und als die Unabhängigkeit kam griffen sie zu dem ältesten und authentischsten jüdischen Symbol: die Menorah. So wurde die Menorah, umgeben von Olivenzweigen und dem Wort  ישראל darunter eingemeißelt das offizielle Emblem von Israel.

Dieses Bild erschien anschließend auf Briefmarken, Flaggen und den Insignien von anderen offiziellen Institutionen. Die Menorah auf dem Gelände der Knesset, welche auf die Menorah des zweiten Tempels anspielt, ist heute wahrscheinlich die berühmteste Menorah auf der Welt.

Die Reise der Menorah ist auch die Geschichte des jüdischen Volkes. Von der Wildnis in die Heimat, ins Exil und zurück; von Destruktion und Unterdrückung zur Befreiung. Aber was genau symbolisiert die Menorah?

Nach einem Midrash korrespondieren die soeben Arme der Menorah mit den sieben Planeten die im Altertum bekannt waren. In dieser Interpretation ist das Licht ein Echo des Lichtes der Schöpfung (Genesis 1:3) eine Erinnerung an die Präsenz von G’ttes Schöpfung.

In einer anderen Interpretation fragt Moses ungläubig G’tt „Du willst, dass wir das Licht stellen? DU bist doch am Ende des Tages das Licht auf dieser Welt!“ G’tt antwortet: „Es ist nicht so, dass ich eure Hilfe brauche. Trotzdem möchte ich, dass ihr mir Licht gebt, so wie ich euch Licht gegeben habe.“ Es ist eine von vielen jüdischen Kommentaren, welche die Partnerschaft zwischen G’tt und den Menschen unterstreicht, welche G’tt begehrt um Erlösung auf die Welt zu bringen.

Mit Sicherheit gibt es noch viele Interpretationen für die Bedeutung, die das Zünden der Menorah hat: Wir entzünden Licht der Hoffnung, Berechtigung und „Erleuchtung.“ Der Zionismus hat neue Interpretationen sie diesem ältesten der Symbole gebracht. Für mich sieht es so aus als wenn die heutige Menorah eine definitive Antwort auf den Titusbogen ist, auf die Menschen in Gettos und auf die Erniedrigung die Juden durch die Zeit erlebt haben. Aus unserer antiken Erde erhebend wird ein ein alt-neues Licht entzündet, tiefsinnig und auf oft schöne Art und Weise:

אוֹר חָדָשׁ עַל צִיּון תָּאִיר וְנִזְכֶּה כֻלָּנוּ מְהֵרָה לְאוֹרוֹ

Ein neues Licht wird über Zion erleuchten – mögen wir alle dieses Licht sehen.

Rabbi Neal Gold

ngold@arza.org.

Parashat Beha’alotecha

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